Bei der diesjährigen Herbstlese am Dienstag, dem 11. November 2025, sprach Prof. Dr. Wolfgang Mazal zum Thema „Staat und Religion: Was trennt und was verbindet“.
Auf großzügige Einladung der CERHA HEMPEL Rechtsanwälte GmbH fand die Veranstaltung auch in diesem Jahr wieder in der beeindruckenden Bel Etage der Kanzlei statt.
Der renommierte österreichische Arbeits-, Sozial- und Medizinrechtler, Präsident des Österreichischen Instituts für Familienforschung sowie des Katholischen Laienrates, spannte in seinem Vortrag einen weiten Bogen: von historischen Entwicklungen über rechtliche und sozialwissenschaftliche Überlegungen bis hin zu biblischen Gleichnissen und dem eindrucksvollen Beispiel des heiligen Thomas Morus.
Im europäischen Vergleich hob Prof. Dr. Mazal die Vorzüge des in Österreich im Staatsgrundgesetz von 1867 verankerten Verhältnisses zwischen Staat und Religionsgemeinschaften hervor. Dieses habe sich als eine Form der „wohlwollend-kritischen Kooperation“ entwickelt. Im Unterschied zum strikten Laizismus französischer Prägung verstehen sich Staat und Kirche in Österreich als aufeinander bezogen und einander ergänzend. Dieser kooperative Ansatz sichere sowohl die freie Religionsausübung als auch die klare Bindung der Religionsgemeinschaften an die staatliche Rechtsordnung.
Während sich die institutionelle Trennung von Staat und Kirche historisch als ein zentrales Ordnungsprinzip herauskristallisiert habe, bleibe in der christlichen Weltanschauung die doppelte Loyalität des Christen ein grundlegendes Element. Dort, wo es das Gewissen gebietet, staatlicher Autorität zu widersprechen, liege die Verantwortung beim einzelnen Gläubigen – ein Umstand, der, so Prof. Dr. Mazal, besonders im Leben und Wirken des heiligen Thomas Morus eindrucksvoll sichtbar wurde.
Diese doppelte Loyalität erinnere zugleich daran, dass der Mensch nicht vom Brot allein lebt, sondern ein transzendentes Streben in sich trägt, das über den Alltag hinausweist.
Im Anschluss an den Vortrag entwickelte sich eine lebhafte und vertiefende Diskussion mit dem Publikum. Bei einer anschließenden Verköstigung wurden die angeregten Gespräche in entspannter Atmosphäre fortgesetzt.
Zum Vormerken:
Die nächste Juristenmesse findet am 23. Juni 2026 um 18:00 Uhr in der Jesuitenkirche, 1010 Wien, statt.